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Praxisfall 1

Unternehmen:      Glasid AG

Branche: Weiterverarbeiten, Veredeln und Fertigen für Spezialanwendungen von Flachglas und Sicherheitsglas

Standorte:          4 Werke in NRW
 
Mitarbeiter:        238
 

Umsatz:             20 Mio. €

Ausgangssituation:

Die Glasid AG befand sich aufgrund fortlaufender Verluste und hoher Investitionen in der Ergebnis- und Liquiditätskrise.

Die Glasid AG war durch den Versuch der Aufstellung als Vollsortimenter im Rahmen der Wirtschaftskrise in existenzbedrohende Schwierigkeiten geraten. Die Investition in eine vollautomatische Isolierglasanlage, die zum Zeitpunkt der Investition strategisch sinnvoll war, hat sich durch erheblichen Preisverfall im Bereich Isolierglas bei gleichzeitig starkem Nachfragerückgang zum Verlustbringer entwickelt. Als noch erhebliche technische Schwierigkeiten mit der neuen Anlage hinzukamen, war die Stilllegung der neuen Produktionsstätte bei gleichzeitiger Konzentration auf das Kerngeschäft der einzige Weg zur Rückkehr in die Gewinnzone.

Um die aufgelaufenen Verluste auszugleichen die Belastungen (Miete, Zinsen und Personalkosten etc.) für die Zukunft auf ein vertretbares Maß zu reduzieren, wurden erhebliche Sanierungsbeiträge seitens einiger Stakeholder unverzichtbar und bereits schriftlich zugesagt. Gleichzeitig sollte die drohende Illiquidität mit einem landesverbürgten Kredit, der von den finanzierenden Banken mit begleitet worden wäre, beseitigt werden. Parallel dazu befand sich ein von der mbb [consult] erarbeitetes und von den wesentlichen Stakeholdern mitgetragenes Restrukturierungskonzept in der Umsetzung.

Die Erfolgsplanung unter Going Concern 2010 – 2014 zeigte unter diesen Voraussetzungen eine moderate Steigerung des Ergebnisses in den nächsten Jahren. Unter Berücksichtigung der zugesagten Sanierungsbeiträge und Erhalt des landesverbürgten Kredits wäre die Sanierung möglich gewesen.

Aufgrund einer ablehnenden Entscheidung des Landesbürgschaftsausschusses am 04.03.2010 mit der Aufforderung an den Mezzanine-Kapitalgeber, weitere Beiträge zu leisten, war die Glasid AG gezwungen, am 15. März 2010 wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag zu stellen.

Die Lösung:

Wenige Tage vor Insolvenzantragstellung fand ein Abstimmungsgespräch mit den involvierten Kreditinstituten und - in einer separaten Besprechung - mit dem größten Lieferanten statt. Banken und Lieferanten konnten schnell von dem Konzept einer Planinsolvenz in Eigenverwaltung überzeugt werden. Sie sagten sofort ihre uneingeschränkte Unterstützung zu.

Die bb [sozietät] hat in enger Abstimmung mit der mbb [consult] und dem Vorstand der Glasid AG am 15. März 2010 eine Planinsolvenz in Eigenverwaltung eingeleitet, um das Unternehmen auf diesem Wege zu sanieren. Noch am Tag der Antragstellung wurde dem vorläufigen Insolvenzverwalter, Herrn Rechtsanwalt Bernd Depping aus Essen, das Insolvenzkonzept vorgestellt. Mit seiner Unterstützung konnte das Verfahren am 30.06.2010 eröffnet werden. Gleichzeitig wurde vom Insolvenzgericht Essen die Eigenverwaltung angeordnet.

Schon im Vorfeld der Insolvenz wurde von einem hochmotivierten Führungsteam zusammen mit der mbb (consult) ein Ursprungkonzept für die operative Restrukturierung erarbeitet. Dieses Konzept wurde zusammen mit einem von der mbb eingesetzten CRO während der Planinsolvenz vorangetrieben und schließlich umgesetzt. Schwerpunkte lagen in der Neuausrichtung der Organisation, der Optimierung der Prozesse, des Abschneidens der Altlasten aus dem Bereich der Isolierglasproduktion und der Senkung der Kosten, um wieder zu alter Stärke zurückzufinden.

Mit Antragstellung wurde die Isolierglasproduktion eingestellt und die dort beschäftigten Mitarbeiter freigesetzt. Einer der 4 Standorte wurde aufgegeben. Aufgrund der Insolvenz war der dazu notwendige Restrukturierungsaufwand überschaubar gering. Schon vor Insolvenzantragstellung wurde der schon mit dem Gutachten der mbb [consult] identifizierte USP für gebogenes Glas methodisch weiter entwickelt und half damit, das gesamte Unternehmen neu auszurichten. Bereits am 04.08.2010 wurde über den von der bb [sozietät] Buchalik Brömmekamp ausgearbeiteten und vorgelegten Insolvenzplan abgestimmt. Den ungesicherten Gläubigern wurde eine Quote von 10 % angeboten und damit in etwa das Doppelte von dem, was in einer Liquidation zu erwarten gewesen wäre. Die gesicherten Gläubiger konnten in Höhe ihrer Besicherung vollständig bedient werden. 99,9 % der Gläubiger haben dem Plan im Abstimmungstermin am 04.08.2010 zugestimmt.

Heute agiert die Glasid AG gut positioniert am Markt. Die finanzierenden Banken stehen dem Unternehmen uneingeschränkt auf ursprünglicher Basis zur Verfügung. Das Unternehmen konnte in Rekordzeit mit Hilfe der Planinsolvenz in Eigenverwaltung und einem konsequent umgesetzten Restrukturierungskonzept auf den Weg zu alter Stärke zurückgeführt werden. 

Praxisfall 2

Unternehmen:  Otto Kind AG

Branche:         Produktion von Betriebs- und Ladeneinrichtungen
 

Standorte:       2 Werke in der Nähe von Gummersbach

Mitarbeiter:     303
 

Umsatz:         40 Mio. €

Ausgangssituation:

Eine angespannte Liquiditätssituation und Sonderaufwendungen belasteten das operative Geschäft.

Aufgrund negativer Ergebnisse in den Jahren 2008 und 2009 und einer kritischen finanziellen Lage  mit verändertem Zahlungsverhalten gegenüber Lieferanten beauftragte die Otto Kind AG Anfang 2010 eine Unternehmensberatung mit der Erstellung eines Sanierungsgutachtens. Neben Kostensenkungs-und Ergebnisverbesserungsmaßnahmen sah das Gutachten Stundungsvereinbarungen mit den Lieferanten und Aufrechterhaltung des Versicherungsschutzes durch die Kreditversicherer zur Deckung der Finanzierungslücke vor.

Im Mai 2010 kam es jedoch wegen überfälliger Forderungen zu Lieferstopps, die  aufgrund von Materialmangel zu einem weiteren Umsatzrückgang führten. Aufgrund dessen wurde die Planung für die Monate Mai/Juni deutlich verfehlt. Zwar konnten mit den wesentlichen Lieferanten Stundungsvereinbarungen getroffen werden, die jedoch alle Vorkassebezahlung für weitere Lieferungen vorsahen. Durch diese Umstellung verlängerte sich die Lieferzeit bei einigen Lieferanten um zwei bis sechs Tage, was wiederum die  Produktion und Auslieferung an die Kunden verzögerte. In der Folge waren wegen der daraus resultierenden eingeschränkten Liefertermintreue weitere Umsatzverluste unvermeidbar.

Ein Finanzinvestor war an der Übernahme der Mehrheit der Anteile mit Zuführung von Eigenkapital interessiert - allerdings mit der Maßgabe, dass die Gesellschafter 100% ihrer Anteile für 1 € gegen einen Besserungsschein abgeben sollten. Erste Erkenntnisse eines Quickchecks durch die mbb [consult] ergaben, dass aufgrund der bereits eingetretenen Umsatzverfehlungen die von der externen Beratungsgesellschaft erstellte Liquiditätsplanung unrealistisch geworden war. Ohne erhebliche Liquiditätszufuhr im siebenstelligen Bereich war eine kurzfristige Insolvenzantragstellung unvermeidbar.

Lösung:

Am 07.07.2010 fand ein erstes Gespräch mit dem Vorstand der Otto Kind AG statt.   
Die bb [sozietät] Buchalik Brömmekamp erstellte innerhalb weniger Tage ein Insolvenzkonzept mit einer detaillierten Planrechnung. Parallel dazu überprüfte die mbb [consult] die vorliegende Ergebnis- und Liquiditätsplanung, validierte die bereits ermittelten und identifizierte neue Restrukturierungspotentiale. Auf dieser Basis konnten Vorstand und Gesellschafter davon überzeugt werden, den Weg durch die Planinsolvenz mit zu gehen.

Bereits am 30.07.2010 wurde auf der Basis dieses Konzeptes Insolvenzantrag verbunden mit dem Antrag auf Eigenverwaltung beim Amtsgericht Köln gestellt. Schon im Vorfeld wurde ein erfahrener Insolvenzexperte und Rechtsanwalt der bb [sozietät] Buchalik Brömmekamp zum Restrukturierungsvorstand berufen. Vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Herr Rechtanwalt Norbert Weber aus Wuppertal.

Unmittelbar nach Antragstellung begann die mbb [consult] mit Rückendeckung des vorläufigen Insolvenzverwalters ein Konzept zur operativen Restrukturierung zu erstellen. Mit der Umsetzung wurde sofort begonnen. Parallel dazu erarbeitete die bb [sozietät] Buchalik Brömmekamp den Insolvenzplan. Mit der professionellen Unterstützung des vorläufigen Verwalters und seiner umsichtigen Vorgehensweise konnten auch die anfänglich skeptischen Banken, die mit dem Verfahren noch nicht vertraut waren und  die ursprüngliche Investorenlösung vorgezogen hätten, von unserem Konzept überzeugt werden.

Am 16.09.2010 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet und die Eigenverwaltung angeordnet. 95% der stimmberechtigten Gläubiger nahmen den Insolvenzplan am 15.12.2010 an.

Aufgrund der durch die Insolvenz geschaffenen wesentlich besseren Rahmenbedingungen bewarben sich bei der schon während des Antragsverfahrens eingeleiteten Investorensuche eine Vielzahl von Interessenten um einen Einstieg bei der Otto Kind AG. Vor Antragstellung stand hierfür lediglich ein einziger Finanzinvestor zur Verfügung.

Den Zuschlag erhielt letztlich die Zech Group, weil sie nach Einschätzung aller Beteiligten, auch der Arbeitnehmer, das überzeugendste Zukunftskonzept vorweisen konnte. Der Einstieg erfolgte im Wege einer Kapitalerhöhung in das plansanierte Unternehmen. Ein wesentlicher Teil der Gesellschaftsanteile verblieb bei den Altgesellschaftern.

Zwischenzeitlich agiert die Otto Kind AG mit einer beeindruckenden Eigenkapitalquote von 54 % und einer guten Liquiditätsausstattung wieder erfolgreich im Markt. Die mbb [consult] begleitet - auch auf Wunsch des Investors - die Umsetzung der operativen Restrukturierungsmaßnahmen, insbesondere in den Bereichen Einkauf und Produktion.

Praxisfall 3

Unternehmen:      Julius Boos jr. GmbH & Co. KG

 

Branche:             Herstellung technischer Textilien

Standorte:           2 Werke in NRW

Mitarbeiter:          169

Umsatz:              20 Mio. €

Ausgangssituation

Die wiederholten Planverfehlungen im Wesentlichen bedingt durch den starken Umsatzeinbruch im Rahmen der Wirtschaftskrise sowie die negative Ergebniserwartung für das laufende Geschäftsjahr gefährdeten den Fortbestand des Unternehmens.

Bereits im Jahre 2005 kam es bei der Julius Boos jr. GmbH & Co. KG zu einem erheblichen Umsatzeinbruch, welcher in den Folgejahren weder durch Neukundenakquise noch über eine Ausweitung der Geschäfte mit den Bestandskunden aufgefangen werden konnte. Mitte 2007 wurde die mbb [consult] beauftragt, das Unternehmen bei der Sanierung zu unterstützen. Als Ursache für die kritische finanzielle Situation wurden insbesondere Strategie- und Vertriebsdefizite identifiziert. Gleichzeitig bestand ein hoher Liquiditätsbedarf der chinesischen Tochtergesellschaft, der die Liquiditätskrise noch verstärkte.

Zunächst gelang es mit erheblichem Einsatz von Gesellschaftermitteln, das Unternehmen zu stabilisieren, und es zeigten sich deutliche Restrukturierungserfolge.

Im Zuge der einsetzenden Wirtschaftskrise im Jahre 2008 wurden die vorgelegten Planungen aber erneut deutlich unterschritten. Strukturelle Anpassungen, insbesondere durch Personalfreisetzung, griffen zwar, beanspruchten  die Liquidität aber zusätzlich in starkem Maße. Eine Sanierung im Going Concern hätte die Zuführung erheblicher weiterer Mittel seitens des Gesellschafters erfordert. Bankkredite waren trotz mehrfacher Anfragen aufgrund des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes nicht zu erhalten.

Lösung:

Am 24.11.2009 fand eine Beiratssitzung statt, bei der die mbb [consult] wegen der drohenden Zahlungsunfähigkeit der Julius Boos. GmbH empfahl, die Sanierung über eine Planinsolvenz und Eigenverwaltung unter dem Schutz der Insolvenzordnung fortzusetzen.

Nachdem zunächst der Beirat von diesem Weg überzeugt werden konnte, gelang es auch, den Gesellschafter hierfür zu gewinnen. Die bb [sozietät] Buchalik Brömmekamp sollte das Unternehmen durch das Insolvenzverfahren begleiten. Ein insolvenzerfahrener CRO aus den Reihen der mbb [consult] wurde in die Geschäftsführung berufen.

Bereits wenige Stunden nach Insolvenzantragstellung am 22.12.2009 fand ein erstes Gespräch mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, Herrn Rechtsanwalt Dr. Jörg Bornheimer aus der Sozietät Görg, statt, in dessen Verlauf dieser von dem beabsichtigten Weg einer Planinsolvenz und Eigenverwaltung überzeugt werden konnte und seine Unterstützung vorbehaltlich einer rechtlichen Überprüfung zusagte.

Am 01.03.2010 wurde das Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Wuppertal eröffnet und die Eigenverwaltung angeordnet. Dr. Bornheimer wurde zum Sachwalter bestellt.    
Am 24.06.2010 wurde über den Insolvenzplan abgestimmt, der eine Quote von 33% für die ungesicherten Gläubiger vorsah. 100 % der stimmberechtigten Gläubiger votierten im Termin für den Insolvenzplan. 

Auch während der Insolvenz wurden die vorinsolvenzlich eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen fortgesetzt. Zwischenzeitlich agiert die Julius Boos GmbH wieder erfolgreich im Markt und ist ein verlässlicher Partner seiner Kunden. Bereits in der Insolvenz lagen Umsatz und Ergebnis über Plan. Die Zuführung neuer Liquidität war nicht erforderlich; vielmehr wurde  im Insolvenzverfahren ausreichend Liquidität generiert, um die Zahlungsfähigkeit auch für die Zukunft zu sichern.